Siliziumnitrid ist eine technische Hochleistungskeramik, die sich durch ihre einzigartige Kombination aus thermischen, mechanischen und elektrischen Eigenschaften auszeichnet. Im Gegensatz zu vielen anderen Keramiken, die unter thermischer Belastung spröde werden, zeichnet sich Siliziumnitrid durch einen sehr niedrigen Wärmeausdehnungskoeffizienten und eine hohe Bruchzähigkeit aus. Dadurch ist es äußerst temperaturschockbeständig und übersteht schnelle Temperaturschwankungen ohne Risse. Chemisch gesehen besteht es aus Silizium und Stickstoff, die in einer kovalenten Bindungsstruktur angeordnet sind, was zu einem Material führt, das fast so hart wie Diamant ist und gleichzeitig deutlich leichter als hochfeste Stahllegierungen bleibt.
| Eigentum | Typischer Wert |
| Dichte | 3,2 - 3,5 g/cm³ |
| Härte (Vickers) | 1400 - 1600 HV |
| Wärmeleitfähigkeit | 20 - 30 W/m·K |
| Max. Betriebstemperatur | Bis 1200°C |
Die Leistung von Siliziumnitrid hängt stark von der Methode zur Synthese und Verdichtung des Pulvers ab. Da das Material nicht schmilzt, muss es durch Sinterprozesse geformt werden. Reaktionsgebundenes Siliziumnitrid (RBSN) entsteht durch Nitrieren eines Siliziumpulver-Presslings, was zu einer hervorragenden Dimensionsstabilität, aber höherer Porosität führt. Im Gegensatz dazu nutzen gasdruckgesintertes Siliziumnitrid (GPSSN) und heißgepresstes Siliziumnitrid (HPSN) hohen Druck und hohe Temperatur, um eine nahezu theoretische Dichte zu erreichen und bieten die höchste mechanische Festigkeit für anspruchsvolle Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt sowie im Automobilbereich.
Im Automobil- und Luft- und Raumfahrtsektor ist Siliziumnitrid der Goldstandard für Hochgeschwindigkeitslagerkomponenten. Keramikkugellager aus Si3N4 sind 40 % leichter als Stahl, erzeugen weniger Reibung und können kurzzeitig ohne Schmierung betrieben werden, was für Notfallszenarien in Strahltriebwerken von entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus eignet es sich aufgrund seiner nichtmagnetischen und elektrisch isolierenden Eigenschaften ideal für den Einsatz in Halbleiterfertigungsanlagen und medizinischen Implantaten, wo Störungen der Magnetresonanztomographie (MRT) oder elektrischer Schaltkreise vermieden werden müssen.
Bei der Konstruktion mit Siliziumnitrid müssen Ingenieure die mangelnde Duktilität des Materials berücksichtigen. Obwohl es eine unglaublich starke Kompression aufweist, reagiert es empfindlich auf Punktbelastung und Spannung. Um die Lebensdauer von Keramikteilen zu maximieren, ist es wichtig, scharfe Innenecken zu vermeiden und großzügige Radien zur Spannungsverteilung zu verwenden. Da sich Siliziumnitrid nach dem Sintern nur schwer bearbeiten lässt, sollten die Komponenten außerdem so nah wie möglich an der „Endform“ konstruiert oder mit diamantbestückten Werkzeugen geschliffen werden, um endgültige Toleranzen zu erreichen. Für eine ordnungsgemäße Integration sind häufig Schrumpfverbindungen oder spezielle Klebstoffe erforderlich, um die Keramik mit den Metallgehäusen zu verbinden.
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